Kopfgesteuert – ein Interview mit dem Fachmagazin WERBETECHNIK über den UJF-7151 plus

Werbetechnik Nr.2/2016, Frauke Bollmann

Kopfgesteuert

Mimaki spricht über den UJF-7151 plus als Weiterentwicklung des UJF-6042. Dafür ist aber ziemlich viel anders – auch die Köpfe.

Was die Anwendungen und Materialien angeht, ähneln sich der neue UJF-7151 plus und der bekannte UJF-6042. Smartphone-Hüllen sind ein Beispiel. Auch die Nozzle Check Unit (NCU) und das MAPS4 gegen Banding gibt es weiterhin. Mimaki spricht von einer Weiterentwicklung. Dafür sprechen der größere Druckbereich und der stufenlos höhenverstellbare Tisch. Beginnend bei den Köpfen über die Konstruktion bis hin zu zwei neuen Tinten handelt es sich aber eher um eine Neuentwicklung. Johan Spies, Produktmanager EMEA, weiß mehr.

UJF7151 im Showroom_Foto von Werbetechnik
Herr Spies, im UJF-7151 plus haben Sie die Köpfe CF1 von Toshiba verbaut. Welche Kernmerkmale hat dieser Druckkopf?
Ich kann zum Modell selbst nichts sagen, das ist unser Betriebsgeheimnis. Aber es sind Köpfe von Toshiba. Sie können 6 bis 42 Picoliter große Tropfen ausstoßen. Wir nutzen jedoch nur Größen bis 36 Picoliter. Die Auflösung beträgt bis zu 1.200 dpi.

Weswegen verwenden Sie nicht weiterhin die Ricoh Gen 4-Köpfe aus dem UJF-6042?
Wir wollten ein paar andere Features haben. Zum Beispiel haben die Toshiba-Köpfe ein Tintendurchlauf-, ein Zirkulationssystem. Sie machen sich dadurch selbst sauber. Weder Schmutzpartikel noch Luftbläschen können den Weg durch die Düsen finden und dadurch Fehler verursachen. Die Zirkulation hat zur Folge, dass die Luftbläschen einfach weggenommen und eventuelle Partikel abtransportiert werden. Auf Basis eines Filtersystems wird das System immer gereinigt. Das optimiert den Tintendurchlauf. Außerdem erzielen wir mit dem Kopf einen sehr stabilen Tropfen. Diese Homogenität ist wichtig, wenn man Details drucken möchte.

Werden die Toshiba-Köpfe irgendwann die Ricoh Gen 4 ersetzen?
Nein. Die Köpfe sind für die Plattform des UJF-6042 gar nicht gemacht; sie sind schlicht viel zu groß.

Auf der Inprint hat der 7151 plus noch mit den gleichen Tinten gedruckt wie der 6042, mit den LH-100. Angekündigt waren damals zwei weitere Tinten. Gibt es sie schon?
Die erste, die LUS-120 mit einer Dehnfähigkeit von 170 Prozent, gibt es bereits. Für Mitte dieses Jahres ist die LUS-350 geplant. Sie soll eine Dehnfähigkeit von 350 Prozent haben. Während die LUS-120 so flexibel ist, dass sich bedruckte Medien gut weiterverarbeiten wie schneiden lassen, wird die 350er eine tiefziehfähige Tinte sein. Die LH-100 bleibt als harte Standardtinte im Portfolio.

Sind die Farbbereiche der LH-100 und der LUS-120 vergleichbar?
Vergleichbar ja. Der Farbbereich der neuen Tinte ist minimal geringer als der der LH-100. Das liegt einfach daran, dass man eine ideale Balance zwischen den verschiedenen Komponenten herstellen muss. Die Menge an weich machenden Additiven geht immer zu Lasten der Menge an Pigmenten. Dennoch ist der Farbbereich der LUS-120 über dem Standard.

Während Sie im 6042 acht Köpfe haben, sind es beim 7151 plus nur sechs. Sie verzichten damit auf Light Cyan und Light Magenta. Geht das nicht mit einem schlechteren Druckbild einher?Aufgrund der größeren Köpfe konnten wir keine acht sinnvoll unterbringen. Vier sind für CMYK mit jeweils zwei Nozzle-Reihen; jeder Kopf hat eine eigene Farbe. Davor gestaggert gibt es einen für Weiß und einen, in den man Klarlack oder Primer einsetzen kann. Einen Qualitätsverlust haben wir nahezu nicht. Die kleinen Tropfen sind so homogen, wie ich schon erläutert habe, dass man einen sehr guten Farbaufbau garantieren kann. Es geht ja auch immer um die Frage, ob die Anwendung es benötigt. Da dieser Drucker noch mehr in die industrielle Richtung geht, ist der Wegfall von Light-Tinten kein Problem.

Wie sieht es mit dem Weiß, Klarlack und Primer aus? Handelt es sich um die gleichen Produkte, wie sie auch im 6042 zum Einsatz kommen?
Die LH-100 hat eigentlich ihren eigenen Primer. Aber wir haben einen neuen, den PR-200, der im 7151 plus und im 6042 zum Einsatz kommen kann. Er sichert eine noch mal bessere Haftung. Die LUS-120 hat ein eigenes, eben auch flexibles Weiß. Das Gleiche gilt für den Klarlack. Würde man mit der LUS-120 den Klarlack der LH-100 nehmen, würde der flexible Effekt ja verhindert. Bei den LUS-350-Tinten verfolgen wir das gleiche Prinzip. Offizielle Informationen gibt es noch nicht.

Sie haben aufgrund der Anordnung der Druckköpfe die Möglichkeit, die CMYK-Köpfe anders anzusteuern als die beiden restlichen. Weswegen ist das wichtig?
Wir haben sozusagen zwei Rechnersysteme in einem Drucker. Dadurch können wir in einem Druckgang mit CMYK sehr feine Tropfengrößen erzeugen, mit Weiß- und Klarlack aber größere Tropfen. Das
ermöglicht ein super deckendes Weiß zum Beispiel, unabhängig davon, ob ich für das eigentliche Motiv in CMYK eine hohe oder niedrige Druckauflösung wähle. Das ist eine ideale, komplett neue Art der Ansteuerung. Dieses von Mimaki entwickelte Elektroniksystem rechtfertigt noch einmal mehr die Beschreibung des Druckers als industriell.

Industriell ist das richtige Stichwort: Beim 7151 plus bewegt sich nicht der Druckschlitten samt Brücke, sondern der Tisch. Das sei auch ein Aspekt, weswegen der Drucker ein industrieller ist.
Das stimmt. Grundsätzlich muss man sich klar machen, dass jede Bewegung eine Ungenauigkeit erzeugt. Aber weil wir den Tisch mit sogenannten Kugelumlaufspindeln bewegen – etwas, was bei der Bewegung des Druckschlittens samt Brücke nicht möglich ist –, arbeitet der 7151 plus viel genauer. Und wenn man sich den Tisch ansieht, erkennt man, dass es sich um eine gegossene Stahlkonstruktion handelt, die das genaue Arbeiten nochmals unterstützt. Wir arbeiten dadurch mit einer extrem geringen Toleranz.

Bitte gehen Sie noch einmal auf den größeren Druckbereich ein. Weswegen haben Sie sich für einen Arbeitsbereich von 71 mal 51 Zentimetern entschieden?
Wir haben mit vielen Anwendern aus dem Siebdruck gesprochen, weil auch hier der Drucker gut zum Einsatz kommen kann. Mit dem neuen Format haben wir ein für sie typisches Maß. Die Durchlasshöhe ist übrigens auch höher als beim 6042. Der 7151 plus hat eine Höhe von 6 Zoll, also 153 Millimetern, und ist stufenlos durch vier Motoren verstellbar. Man benötigt keinen Aufbautisch mehr wie beim 6042.

Kommt eigentlich die Kebab-Rolle als Zubehör?
Die Option kommt! Aber wir müssen sie neu entwickeln, um sie über die komplette Breite des Arbeitsbereichs laufen lassen zu können. Wir rechnen mit ihr Mitte dieses Jahres.

Weil Sie andere Tinten und Köpfe verwenden, müssen Sie auch eine andere UV-Lampe einsetzen. Bitte beschreiben Sie ihre Eigenschaften!
Wir setzen die Lampe ein, die wir bereits im JFX-200 nutzen. Der Vorteil liegt zum einen in ihrer Länge, die mit dem neuen Druckformat notwendig wurde. Außerdem kann man innerhalb der Lampe LEDs zu- und abschalten. Dadurch kann die Aushärtung bei besonderen Aufträgen, vor allem mit Lack, auf ein Maximum hochgefahren werden. Wir können damit nicht nur starke Lackschichten sicher durchhärten, sondern auch den Glanzgrad optimal beeinflussen. Zusätzlich lässt sich die Lampe in verschiedenen Prozentstufen ansteuern.

Die Maschine ist mit bis zu 4,21 Quadratmetern pro Stunde bei 600 mal 600 dpi und sechs Passes deutlich schneller als der 6042; die Tinten befinden sich in 1-Liter-Flaschen. Gibt es
weitere Details, mit denen sich der 7151 plus abhebt?

Er verfügt über mehr Schnittstellen, was praktisch ist. Neben USB 2.0 bietet er Ethernet. Und er verschickt Statusmails an eine ausgewählte Adresse, damit Techniker oder Anwender schnell über eventuelle Probleme informiert werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Frauke Bollmann.